Alphabetische Liste der Mitglieder und Angehörigen im Fachbereich 9

Nachname
Dr. Katrin Amelang
Fachbereich
Fachbereich 9: Kulturwissenschaften
Gebäude
SFG
Raum
4300
Telefon
+49 (0)421 218 67641
E-Mail
amelang[at]uni-bremen.de
Vita

Katrin Amelang ist seit März 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am IFEK. In ihrem Habilitationsprojekt beschäftigt sie sich mit Fragen der Datafizierung von Alltag und Gesellschaft und mit der kulturellen Dimension von Algorithmen, Daten und Software. Sie hat Kulturanthropologie & Europäische Ethnologie sowie Politologie in Frankfurt am Main studiert und promovierte 2012 mit einer ethnografischen Studie zur Herstellung von Alltag und Normalität nach einer Lebertransplantation am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Vor, während und nach ihrer Promotionsphase arbeitete sie in verschiedenen, interdisziplinären Forschungsprojekten an der HU Berlin (Predoc) und an der Goethe-Universität  Frankfurt/Main (Postdoc). Zudem war sie 2012-2014 Lehrkraft für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen.

Forschungsschwerpunkte

Wissenschafts- und Technikforschung (STS); Daten, Algorithmen und Infrastrukturen; Medizinanthropologie (Biomedizin, Organtransplantation, Risikowissen, Quantifizierung von Gesundheit); Prozesse der Veralltäglichung und Normalisierung;
Körperanthropologie; feministische Anthropologie und Geschlechterforschung; Methoden/Methodologie

Forschungsprojekte

Katrin Amelang forscht an der Schnittstelle von Kulturanthropologie und  Wissenschafts- und Technikforschung und arbeitet im Bremen NatureCultures Lab mit.

„Epidemiologische Risiko-Scores als Instrumente des Wissenstransfers“

2014-2016, BMBF-Forschungsverbund, Projektleitung: Susanne Bauer U Oslo/U Frankfurt, in Zusammenarbeit mit der Berlin School of Public Health, Charité Universitätsmedizin Berlin (Christine Holmberg, Ute Kalender) – Fokus: Wissenstransferprozesse und Differenzproduktion in und durch Risiko-Scores, wie sie aus epidemiologischen Studien abgeleitet und dann als Vorhersageinstrumente u.a. in Prävention, Klinik und Gesundheitspolitik eingesetzt werden; Generierung, Zirkulation und Daten-Infrastrukturen dieser Instrumente bzw. Risiko-Algorithmen.

Datafizierung von Alltag und Gesellschaft (Arbeitstitel)

In ihrem Habilitationsvorhaben interessiert sich Katrin Amelang für das Zusammenspiel von Algorithmen und Alltag. Algorithmen stecken in den vielfältigen Computerprogrammen, die wir täglich nutzen  und sind in der Verhandlung der gegenwärtigen digitalen Entwicklungen in Gesellschaft und Alltag eine gleichermaßen plakative wie diffuse Metapher. Auch für die Kulturanthropologie werfen solche informationstechnischen Artefakte interessante Fragen auf: Wie ist Kultur oder Sozialität in Algorithmen eingeschrieben? Wie werden Algorithmen verstanden und wie verändern sie die Art und Weise, wie wir uns selbst und andere verstehen, wie wir die Welt sehen und in ihr handeln? Am Beispiel von Fallstudien zu verschiedenen Algorithmen und Alltagsbereichen soll es zum einen darum gehen, wer Algorithmen-basierte Anwendungen wofür nutzt oder warum (nicht):  An welchen Routinen setzen Algorithmen an? Welche sozio-technischen Anforderungen, aber auch sozio-kulturellen Ein- und Ausschlüsse sind in die Nutzung miteingeschrieben? Und wie wird Alltag durch Algorithmen (mit)produziert oder neu konfiguriert? Zum anderen geht es um die Produktion von Algorithmen: Wie werden sie entwickelt? Auf welcher Datenbasis, von wem und für welchen Zweck? Welche Ideen, Diskurse, Praktiken und Moralitäten werden in sie (mit)eingeschrieben? Methodisch lautet die Devise, Algorithmen ethnografisch auf dem Weg ihrer Produktion und Zirkulation durch Alltag und Gesellschaft zu (ver-)folgen (follow the algorithm). Der ersten Exploration dient ein in der Prävention von Herzkreislauferkrankungen eingesetzter Risiko-Score (Fallstudie im obigen BMBF-Projekt).

Abgeschlossen:

2007-2010 BMBF-Forschungsverbund "Präventives Selbst. Interdisziplinäre Untersuchungen einer emergenten Lebensform" (Projektleitung an der HU Berlin: Stefan Beck u. Jörg Niewöhner) – Fokus: welches Wissen und welche Vorstellungen von Mensch und Gesellschaft fließen in die Entwicklung von kardiovaskulären Präventionsprogrammen ein, werden umgekehrt von diesen aber auch geprägt.

2004-2007 interdisziplinäres EU-Forschungsprojekt "Challenges of Biomedicine. Socio-Cultural Contexts, European Governance and Bioethics" (Projektleitung an der HU Berlin: Stefan Beck) – Fokus: wechselseitige Formung von Medizin(technologie) und Kultur am Beispiel von postnataler Gendiagnostik und Organtransplantation aus vergleichender Perspektive in verschiedenen Gesellschaften Europas.

Lehre
  • Begleitseminar zur Vorlesung „Geschichte(n), Schulen, Kontroversen: Einführung in die Wissenschaftsgeschichte ethnologischer Kulturbegriffe“, SoSe 2016, U Bremen
  • STS for all – Einführung in die Wissenschafts- und Technikforschung (interdisziplinäres BA-Seminar zusammen mit Friederike Gesing, Juliane Jarke, Michi Knecht, Henning Laux, Anna-Lisa Müller), SoSe 2016, U Bremen
  • Masterkolloquium und Begleitseminar "Gesundheit, Körper, Biotechnologie: kulturanthropologische Perspektiven" (Kolloquium zusammen mit Gisela Welz und Meike Wolf), SoSe 2015, U Frankfurt/M.
  • Der Körper als Forschungswerkzeug, SoSe 2013, U Göttingen
  • Einführung in Methoden der Feldforschung, SoSe 2013, U Göttingen
  • Medizinanthropologie: eine Einführung, WiSe 2012/13, U Göttingen
  • Technik und Geschlecht: Analysen kulturanthropologischer und feministischer Technikforschung, WiSe 2012/13, U Göttingen
  • Kultur als Beruf: Praxisfelder der Kulturanthropologie, WiSe 2012/13, U Göttingen
  • Einführung in Methoden der Feldforschung, SoSe 2012, U Göttingen
  • Kulturtheorien: Lektüreseminar, SoSe 2012, U Göttingen
  • Workshop zur Analyse qualitativer Daten mit der Software Atlas.ti, 10/2007, Charité Berlin
  • Interview-Werkstatt (zusammen mit Tobias Schwarz), SoSe 2007, HU Berlin
  • Staat, Subjekt und Medizin im Wandel (zusammen mit Jörg Niewöhner), WiSe 2006/07, HU Berlin
  • Transplantationsmedizin als Körpertechnologie: Einführung in die Körperanthropologie, WiSe 2005/06, HU Berlin
Mitgliedschaften
  • EASST (European Association for the Study of Science and Technology)
  • GfE (Gesellschaft für Ethnographie)
  • dgv (Dt. Gesell. f. Volkskunde) + dgv-Kommission Frauen- und Geschlechterforschung
  • Redaktionsmitglied der "Berliner Blätter – ethnographische und ethnologische Beiträge" (2007-2016)
Publikationen

2016: Anonymous Grafts and the (Un-)Making of Relatedness. Ideas of Donor-Recipient Relations in Cyprus, Germany and Sweden. In: The Cyprus Review 28:1. 

2016: Körpertechnologien. Ethnografische und gendertheoretische Perspektiven. Berliner Blätter 70. (zusammen mit  Sven Bergmann, Beate Binder, Anna-Carolina Vogel und Nadine Wagener-Böck). [Verlagsinfo]      

2016: Körpertechnologien. Einleitende Bemerkungen zur Refiguration des Körperlichen aus ethnografischer und gendertheoretischer Perspektive. In:  Berliner Blätter 70, 7-20 (zusammen mit  S. Bergmann, B. Binder, A.-C. Vogel und N. Wagener-Böck).     

2016: Transplantationsmedizin, Körper und Geschlecht. Zusammenhänge und Fragen. In: Berliner Blätter 70, 137-148.

2015: Abseitiges. An den Rändern der Kulturanthropologie. Berliner Blätter 68 (zusammen mit Silvy Chakkalakal). [Verlagsinfo]     

2015: Kühne Wanderer auf Abwegen. Kulturwissenschaftliche Überlegungen zum Abseitigen. In: Berliner Blätter 68, 7-16. (zusammen mit Silvy Chakkalakal)

2015: Abseitiges Material? Ein Blick in die Anthropophyteia. In: Berliner Blätter 68, 46-53. (zusammen mit Sven Bergmann)     

2014: Transplantierte Alltage. Zur Produktion von Normalität nach einer Organtransplantation. Bielefeld:transcript. [Verlagsinfo]

2013: Von Versuchen Kausalitätslücken zu erklären und Regelloses zu regeln - Medizinanthropologische Notizen. In: Kuckuck 1/2013.

2012: Learning to eat strawberries in a disciplined way. Normalization practices following organ transplantation. In: Ethnologia Europaea 41:2, 54-70 (zusammen mit Violetta Anastasiadou-Christophidou, Costas Constantinou, Anna Johansson, Susanne Lundin und Stefan Beck).     

2012: Laborstudien. In: Estrid Sørensen, Stefan Beck, Jörg Niewöhner (Hg.): Science and Technology Studies. Eine sozialanthropologische Einführung. Bielefeld: transcript, 145-171.     

2012: Wissenswerter Smalltalk. Beobachtungen in einer Lebertransplantationsambulanz. In: Gertraud Koch, Bernd-Jürgen Warneken (Hg.): Wissensarbeit und Arbeitswissen. Zur Ethnografie des kognitiven Kapitalismus. Frankfurt/Main: Campus, 247-260.

2011: Transplantierte Normalitäten: Messen, Herstellen, Leben. In: Jörg Niewöhner, Janina Kehr, Joëlle Vailly (Hg.): Leben in Gesellschaft. Biomedizin, Politik, Sozialwissenschaften. Bielefeld: transcript, 212-239.      

2011: La vie après une greffe de moelle: Productions de la normalité. In: Joëlle Vailly, Janina Kehr, Jörg Niewöhner (Hg.): De la vie biologique à la vie sociale. Approches sociologiques et anthropologiques. Paris: La Découverte, 190-214.

2010: Comparison in the wild and more disciplined usages of an epistemic practice. In: Thomas Scheffer, Jörg Niewöhner (Eds.): Thick comparison. Reviving an ethnographic aspiration. Boston/Leiden: Brill, 155-179 (zusammen mit Stefan Beck).     

2010: gender_queer ethnografisch. Ausschnitte einer Schnittmenge. Berliner Blätter 54 (zusammen mit Beate Binder, Anika Keinz und Sebastian Mohr). [Verlagsinfo]     

2010: gender_queer ethnografisch. ein Gespräch. In:  Berliner Blätter 54, 9-23 (zusammen mit B. Binder, A. Keinz und S. Mohr).

2009: Wissenspraktiken chronisch Kranker. Die Verhandlung medizinischen Wissens zwischen Expertise und Alltagsverstand. In: Michael Simon (u.a.) (Hg.): Bilder, Bücher, Bytes. Zur Medialität des Alltags. Münster: Waxmann, 121-127.

2006: 3, 2, 1 ... selbstständig? Inkonsistente Autonomien in Arbeits- und Lebensentwürfen mit eBay. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 7, Beitrag 6.

2001: "The only one that crosses the barriers". Grenzüberschreitende Kommunikation auf einer zypriotischen Mailingliste. In: Gisela Welz, Petra Ilyes (Hg.) Zypern. Gesellschaftliche Öffnung, europäische Integration, Globalisierung, Frankfurt am Main: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, 69-90.